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5. und 6. Tag meiner Rheintour

Wir sind inzwischen in der Nähe von Basel, und ich hänge mit den Erzählungen zwei Tage hinterher. Ich muss aus der Gegenwart herausschreiben, weil sonst zuviel an Erinnerung zwischen meinen Kettengliedern zerrieben wird.

Ich kann vom Bodensee erzählen, ein türkises Blau wie das Mikrofaserhandtuch, das Wolf jeden Tag zum Trocknen über meinen Rahmen hängt. Wir fuhren letzten Sonntag am See von Bregenz nach Konstanz, manchmal direkt am See, manchmal abgedrängt von Bahnlinien, Privatgrundstücken, Straßen. Oder das Mikrofaserhandtuch-Gewässer geriet ganz aus dem Blick, was Wolf jedes Mal zu einem höheren Tempo veranlasste. Ach, diese Sehnsucht dieses Mannes nach der Weite eines Sees oder eines Meeres.

In Rorschach fand ein riesiges Vespa-Treffen statt. Blitzender Lack, leuchtende Lackierungen, soweit das Auge reichte. Ich konnte mit den motorisierten Kameraden nicht kommunizieren. Sie sprechen ein öliges Italienisch und sind mir im Grunde wesensfremd.

Wolfs Bad im Bodensee bei Konstanz misslang gänzlich. Zu seicht, zu schlammig, zu warm. Stattdessen ein Gespräch mit Dave aus Toronto, der auch die Rheintour unternahm: „My grandfather was German, and he lived in Remagen. Therefore, the Rhine is the Father Rhine for me. I loved my grandfather, and I love the Rhine.“ Da war es endlich zum ersten Mal ausgesprochen: „Vater Rhein“.

Schaffhausen, natürlich, muss ich erwähnen. Der Rheinfall liegt in der Schweiz und ist für alle Deutschen (ich bin übrigens Franzose) ein Ärgernis, weil dieses Naturdenkmal nur ein paar Meter von der deutschen Grenze entfernt liegt. Aber die Deutschen haben doch ihre Loreley, an der wir auch noch vorbeiradeln werden.

Jetzt auf dem Campingplatz ist es ruhig und beschaulich. Eine Gruppe weißhaariger Herren sitzt neben uns auf kleinen Campingstühlen, redet Holländisch und blickt auf Papa Rhein, der gemächlich der untergehenden Sonne entgegenfließt. Daneben ihre Fahrräder der niederländischen Marke Koga. Sie und ich sind die eisernen Pferde, die ihre träumenden Cowboys in die Ferne tragen.

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