
7. Tag meiner Rheintour (Breisach)
Es hatte die ganze Nacht vor Basel bis in den Morgen geregnet. Im Zelt ist jeder Tropfen, der auf den Stoff fällt, ein deutliches Zeichen dafür, dass die Welt nicht so einfach zu haben ist, schon gar nicht mit mir als Fahrrrad. Bong, bong, bong. Wolf riss sich zusammen, schälte sich aus dem klammen Zelt, packte das feuchte Zeug in die Fahrradtaschen, und als wir losfuhren, hatte es aufgehört zu regnen. Die Holländer waren da schon längst über alle Berge. Schnell, schnell lenkte mich Wolf durch das Basler Verkehrschaos, blieb an einer Kreuzung stehen und entschied sich für einen Weg, der auf Google Maps ein hauchdünner Pfad war, nur mit seiner Brille erkennbar. Immer schon musste Wolf Wege nehmen, die entweder nur in seinem Kopf als bloße Gedankenstriche existierten oder aussahen wie Härchen, die zufällig auf eine Landkarte gesegelt waren. Der heutige „Weg“ führte auf einem Damm zwischen Rhein und seinem Seitenkanal kerzengerade nach Norden bis nach Breisach. „Das ist eine fantastische Abkürzung. Und ich bin ein fantastischer Entdecker“, hatte Wolf gedacht, was ich daran merkte, wie fest und entschlossen sich seine Hände um meinen Lenker schlossen.

Und irgendwann erreichten wir den Damm. Den echten Rhein rechts konnte man wegen eines urwaldähnlichen, dichten Grünstreifens nicht sehen, dafür den einbetonierten Kanal umso besser. Der Untergrund des sogenannten Weges bestand aus Schotter, also aus großen, unförmigen Steinen, auf denen meine Reifen seitlich abrutschten und keinen wirklichen Halt fanden. Schotter ist das Allerschlimmste für ein Fahrrad und auch für den Fahrer Wolf. Aber der dachte nicht daran, umzukehren. Drei Stunden holperte er mich durch diese lebensfeindliche Gegend. Keinem einzigen Menschen begegneten wir. Nur ein paar Enten watschelten schnell die schräge Betonwand hinunter ins Wasser, weil sie hier wohl noch nie menschlichen Wesen begegnet waren. Am anderen Ufer leblose Industrieanlagen.
Aber es wurde noch schlimmer. Irgendwann entschied sich Wolf, einen Weg durch den Urwald zwischen Kanaldamm und Rhein zu nehmen. Ein weiterer Haarriss auf Google Maps. Nach einer Stunde im Dschungel, auf einem Weg so breit wie meine Fahrradreifen, lagen mehrere Bäume quer. Da kam ich nicht drüber. Wolf musste mit jedem einzelnen Gepäckstück hinüberklettern und schließlich auch mich tragen.

Nach einer weiteren Stunde erreichten wir wieder den Damm und endlich eine ganz normale Straße.
Es gibt Schilder, die den Velo 15 entlang des Rheins von Anfang bis Ende anzeigen. Wolf bräuchte keine Karte, kein Google Maps. Aber er hält es einfach nicht aus, normale Pfade zu beschreiben. Auf meine Kosten! Was ist er nur für ein Typ! Manchmal..