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Ankunft am Meer nach meiner Fahrradreise am Rhein von Andermatt zur Nordsee

Zum Meer führten uns Wege, die allein für Fahrräder geschaffen waren, oft abseits der großen Straßen. Die Niederländer nehmen uns Fahrräder und die Menschen, die auf uns sitzen, ungeheuer wichtig. Jede Ampel hat eine Anzeige für Fahrräder. Überall konnte Wolf einen kleinen Knopf drücken, wenn er auf die andere Seite wollte. Überhaupt kam mir dieses flache Land so freundlich und unaufgeregt vor. Wir wurden ständig angelächelt und angesprochen. Die Leute zeigten eine große Neugierde gegenüber Wolf und mir, weil wir so viel Gepäck mit uns herumfuhren und manchmal orientierungslos durch die Gegend schauten. Auch auf den Campingplätzen in Holland hatten wir das Gefühl, wirklich als Gäste willkommen zu sein, was uns auf vielen deutschen Plätzen eher selten passierte. Oft fühlten wir uns dort mit unserem kleinen Zelt im wahrsten Sinne des Wortes fehl am Platz. „Die deutsche Wagenburgmentalität, deutsches Dauercampertum, deutsche Satellitenschüsselcamper.“ Wolf und ich versuchten uns oft mit solchen Begriffen vor der Tatsache zu retten, dass wir ja selbst aus diesem seltsamen Land kommen. Noch dazu blieb uns auch auf den Radwegen nicht verborgen, wie sehr jene politischen Kräfte durch Wahlen an Macht gewinnen, die aus Deutschland tatsächlich einen Campingplatz für Dauercamper formen wollen, auf dem jedes kleine Zelt einer kollektiven Verachtung ausgesetzt sein könnte.

Ach, als Fahrradfahrer sind wir keine Insel, keine Emigranten, die der zunehmenden rohen politischen Stimmung einfach so den Rücken kehren können. Ganz einfach, weil wir eben wieder zurückkehren werden und müssen.

Wolfs und meine Gedanken purzelten gerade in jener Phase durcheinander, in der sich der Rhein in den Niederlanden in viele Hauptarme teilt und seinen deutschen Namen abgelegt hatte

Wir fuhren an der Waal weiter, und dann änderte sich der Name des Flusses, der uns begleitete, ständig: Merwede, Noord, Nieuwe Maas, Nieuwe Waterweg.

So radelten wir durch wundervolle Auenlandschaften, oft auf Deichen, an Dörfern vorbei, die sich harmonisch in die Landschaft eingenistet hatten. Ja, und natürlich gab es Windmühlen, die sich im Gegensatz zu meinen unermüdlichen Rädern nicht mehr drehten. Mein Don Quichotte auf dem Sattel kämpfte weiter gegen die Windmühlenflügel seiner düsteren Szenarien, und ich, Rocinante, gegen die natürliche Trägheit meines Stahlrahmens und die Ungeduld meines Herrn und Gebieters.

Rotterdam, futuristisch, mit einer waghalsigen Architektur, aber immerhin mit einer Holzrolltreppe, die uns in den Tunnel ausschließlich für Fahrradfahrer brachte, damit wir auf die andere Seite der Nieuwe Maas gelangen konnten.

Nach Rotterdam, am Nieuwe Waterweg Richtung Hoek van Holland, wurde der Fluss stetig breiter und die Schiffe größer und erhabener. Salz lag in der Luft. Schließlich, ein paar tausend Umdrehungen meiner Räder später, verschwand der Fluss in der Weite der See. In aller Stille, ohne jedes Schaffhausener Getöse. So wie das meiste ohne viel Lärm zu Ende geht. Auch unsere Reise war mit der Auflösung des Flusses vorbei. Wolf neigt in solchen Momenten zum Pathos. Aber nein, wir wollen uns einfach an den Strand stellen, lachen und am besten nichts sagen. Der Wassertropfen, der uns von Andermatt bis a die Nordsee begleitet hat, ist da schon längst in den Tiefen des Meeres verschwunden.

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